Herbarium der Universität Hohenheim (HOH)
Das Herbarium der Universität Hohenheim, mit dem internationalen Kürzel HOH, umfasst circa 500.000 Belege, davon sind mehr als 1250 sogenannte Typusbelege.
Typusbelege sind Belege, die z.B. als Grundlage für die Erstbeschreibung einer Art gedient haben.
Es ist Teil der Sammlungen Universität Hohenheim.
Gegründet zu Beginn der 19. Jahrhunderts, umfasst die Sammlung Belege aus Europa, dem Nahen Osten und Nordafrika. Neuere Sammlungsteile sind Pflanzen aus Ostafrika und pflanzenpathogene Pilze.
Da bestimmte Teilsammlungen speziell für die studentische Ausbildung konzipiert wurden und bis heute rege genutzt werden, ist das Herbar auch für die Lehre von besonderem Wert.
Der älteste bekannte Beleg in Hohenheim ist ein Exemplar von Begonia glabra, die von Ruiz & Pavon im Jahr 1787 im Auftrag der Könige von Spanien in Peru gesammelt wurde.
Wichtige Bestandteile des Herbars sind:
· Historische Belege
· Sammlungen von Pilzen, Flechten, Moosen und Algen
· In Alkohol konservierte Pflanzenteile
· Samensammlung
· Didaktische Lehrmittel aus den 19. und 20. Jahrhundert wie z.B.
dreidimensionale Pflanzenmodelle der Firma Brendel und Pflanzenbilder
die mit Hilfe von kolloidalem Silber auf Glasplatten gedruckt wurden.
Warum sind Herbarien wichtig?
Ein Herbar hilft durch die Vergleichsmöglichkeit mit bereits korrekt benanntem Material bei der Bestimmung
von Gefäßpflanzen, Pilzen, Flechten, Moosen und Algen.
Die mit den Herbarbelegen archivierten Informationen unterstützen Forschungen zur
Verbreitung von Pflanzenarten, dem Klimawandel sowie zu ihrer Klassifikation und Variabilität.
Forschen mit Herbarien - Beispiele
Klimaänderungen
Anhand des Vergleichs von Informationen zu den Sammlungsorten historischer und heutiger Pflanzenbelege wird geprüft, ob sich das Verbreitungsgebiet einer Art verändert hat.
Phänologie
Der Vergleich der Sammlungszeitpunkte auf den Etiketten gibt Aufschluss darüber, wie sich der Blühzeitraum einer Pflanzenart über verschiedene Jahrzehnte hinweg verändert hat.
Pflanzenparasiten
Botaniker sammeln nicht nur gesundes Pflanzenmaterial, sondern oft auch gezielt Exemplare mit Beschädigungen. Diese können charakteristisch für bestimmte Krankheitserreger sein, und werden
damit auch in die Sammlungen aufgenommen. So bieten Herbarien das Potenzial auch das Auftreten und die Ausbreitung von Pflanzenkrankheiten in der Vergangenheit zu rekonstruieren.
Rekonstruktion des Eindringens neuer Pflanzenarten in eine
Region (Neophytenforschung)
Botaniker sind immer schon aufmerksam gewesen, wenn neue Pflanzen in einer Region auftreten. Alte Herbarbelege helfen uns dabei, herauszufinden wie lange einige „Problempflanzen“ schon bei uns sind, und ab wann sie sich z.B. von einer neu eingeführten Rarität zu einem problematischen invasiven Massengewächs gewandelt haben.
DNA-Analyse
Mit verbesserten DNA-Analysemethoden werden selbst mehr als 100 Jahre altes Herbarbelege zunehmend auch für molekulargenetische Untersuchungen erschlossen.
Digitalisierung von Herbarmaterial
Heutzutage digitalisieren eine große Anzahl der Herbarien weltweit ihre Belege und stellen Daten und Bilder ihrer Bestände im Internet zur Verfügung.
Das Herbarium HOH beteiligt sich seit mehr als 10 Jahren daran.
Teile unserer Herbarbelege sind online via JSTOR-Plants zu finden:
https://plants.jstor.org/collection/TYPSPE
Wir versenden zusätzlich digitalisierte Herbarium-Exemplare in hoch aufgelöster Bildqualität an Forschungsinstitute überall auf der Welt.
Warum digitalisieren?
· Erhöhung der Sichtbarkeit des vorhandenen Materials (zunehmend wird
nur noch das, was im Internet gefunden werden, wahrgenommen)
· Sofortiger Zugriff auf Bild- und Sammelinformationen von Typusbelegen
im Internet als unverzichtbare Datenquelle wissenschaftlicher Arbeit
· Ersatz riskanter Ausleihen besonders wertvoller (z.B. historischer oder
fragiler) Belege durch Austausch hochaufgelöster Digitalisate (Fotos)
· Digitale Sicherung der Belege (als Versicherung gegen Brand- oder Wasserschaden)